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14. 𝘑𝘶𝘭𝘪
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Die Regentropfen platschten ungleichmäßig auf seinen Regenschirm, als John schlitternd um die nächste Ecke rannte. Das Wetter war so unberechenbar wie die Laune eines Menschen und wechselte auch mindestens so schnell, dieser Wolkenbruch war beispielsweise ziemlich überraschend gekommen. Mit einem traurigen Lächeln erinnerte der Postbote sich an das angenehme Sonnenlicht, das ihm vor wenigen Minuten noch auf den Rücken geschienen war.

Aber immerhin regnete es hier nicht ständig, wie in Cherapyn, einer Stadt in seiner Fantasiewelt. Oder wie in Cherrapunji, dem Dorf, in dem er seine Inspiration für Cherapyn gefunden hatte. Dort war der höchste Niederschlagswert der Welt in einem Monat gemessen worden, und das, obwohl es in Indien lag. Er hatte immer gedacht, das in Indien die ganze Zeit die Sonne herunterbrannte. Zum Glück wusste er es jetzt besser.  Während er keuchend stehen blieb und seine mangelhafte Ausdauer verfluchte, erinnerte John sich außerdem an das Land, in dem Cherapyn lag.

Natürlich, das kleine Dorf hatte zwar am meisten Regen überhaupt – aber der Rest von Nanthera, dem Land des Wassers, musste sich mit seinen Werten auch nicht verstecken. Dort regnete es nämlich nicht nur Wasser, nein, manchmal kam auch Säure, Honig oder Blut vom Himmel. Da erschienen einem die paar Regentropfen hier doch recht harmlos.

Wobei man nicht vergessen durfte, das die Bewohner von Nanthera, die Acanthi oder umgangssprachlich auch 'Fischmeschen' genannt wurden, an diese extremen Wetterlagen angepasst waren. Durch ihre dicke Haut konnten ihnen die meisten Säurearten nichts anhaben, solange sie nichts davon tranken. Sie hatten solange Metalle und andere Ressourcen gemischt, bis ein säurefestes Material herausgekommen war, sodass auch Reisende unbesorgt das Land des Wassers betreten konnten.

Für den Honig hatten sie Apparate entwickelt, die das Nahrungsmittel automatisch auffingen und reinigten. Im Nu waren sie zum einzigen Lieferant für alle möglichen Honig-Süßigkeiten geworden.  Nur das Blut war etwas problematisch, nicht, weil es schädlich für die Acanthi war, sondern, weil viele sehr empfindlich auf den Anblick eines blutüberströmten Dörfchens reagierten. Doch das nahmen die Fischmenschen hin: Sie sahen es als Strafe ihrer Göttin, dafür, dass sie Tiere töteten und aßen.

Außerdem gehörte der ungefähr monatlich auftauchende Blutregen zu einem wichtigen Ritual der Acanthi: Die Bestattung der Toten. Starb ein Acanthi, wurde er von seinen Angehörigen in den Blutregen gelegt, um von seinen Sünden reingewaschen zu werden.   Was die Fischmenschen nicht wussten, war, warum die Leichen nach einem Blutregen immer verschwunden waren. Es war strengstens verboten, während einem solchen heiligem Wolkenbruch nach draußen zu gehen oder zu schauen – wahrscheinlich, um den jungen Acanthi den Anblick der arbeitenden Sphyrns, auch Seelenfresser genannt, zu ersparen.

Die Sphyrns waren Todesgötter, die die Seele der Toten an sich nahmen und den Körper an dem naheliegendsten Ort verstauten – in ihrem Magen. Wie Sphyrns entstanden, hatte er sich noch nicht genau überlegt – wahrscheinlich würden sie tote Acanthi werden, die in ihrem Leben viel falsch gemacht hatten. Aber darüber konnte er auch später nachdenken, jetzt war erstmal die Flucht vor den Regentropfen an der Reihe.

Als er den Park gerade verlassen wollte, hörte er plötzlich ein leises Schluchzen. Abrupt blieb der Autor stehen und sah sich um. Und dann entdeckte er den Ursprung des Geräuschs – unter einem Baum saß ein kleiner, völlig in schwarz gekleideter Junge. Er war alleine, und das, obwohl er höchstens 12 Jahre alt war. Besorgt ging John auf ihn zu und beugte sich nach unten.

„Alles okay?", fragte er leise, um den Jungen nicht zu erschrecken.
Das Kind zuckte trotzdem zusammen und sah ängstlich zu ihm hoch. Und diesmal war es an ihm, erschrocken zurückzuzucken. Die Iris des Jungen waren rot. Und zwar nicht nur an einer Stelle, wie bei einem Muttermal, sondern vollständig rot.
„Weißt du,wo mein Meister ist?", schluchzte das Kind zitternd und zog den viel zu großen Mantel enger um sich.

John, der sich immer noch von seinem ersten Schreck erholte, schüttelte nur stumm den Kopf. Sicher trug der Kleine nur Kontaktlinsen. Ja, genau, das musste es sein. Er feierte Halloween einfach ein halbes Jahr früher als sonst und hatte seine Gruppe verloren.
„Ich will nicht sterben", wimmerte der Kleine und sah mit Tränen in den Augen zu John hoch. Dieser gab sich einen Ruck und kniete sich neben sein Gegenüber, hielt ihm seinen Regenschirm über den Kopf.
„Wirst du nicht. Es ist nur ein bisschen Regen, davon stirbt man nicht", erklärte er beruhigend und wäre fast rückwärts weggesprungen, als er das entdeckte, was hinter dem Jungen lag.

Als dieser den verstörten Blick seines Retters bemerkte, nahm er die Waffe schnell in die Hand. „Das ist Achimenes. Sie ist sehr nett."
John öffnete den Mund und starrte die Sense ungläubig an. So eine gute Attrappe war sicher teuer. „Aha- Na dann, sehr erfreut. Und wie heißt du?"
„Ich bin Hel. Und Sie?", nuschelte der Kleine schüchtern. Hel also – klar, das er sich als Sensenmann verkleidet hatte.
„John", stellte der Postbote sich vor und richtete sich dann langsam wieder auf. „Wo hast du deine Gruppe den das letzte Mal gesehen? Wie hast du sie verloren?"

Hel legte den Kopf schief und sprang dann auch auf die Füße, um unter dem Regenschirm zu bleiben. „Gruppe? Ich war nur mit meinem Meister hier. Anubis und Allani sind Zuhause geblieben."
Sicher war es nur Zufall, das Hels Freunde alle wie Todesgottheiten aus verschiedenen Mythologien hießen. Anders konnte es ja gar nicht sein. „Deinem Meister? Meinst du deinen Vater, Hel? Oder deinen Lehrer?"

Der Kleinere nickte eifrig. „Ja! Mein Meister hat gesagt, das er auch mein Lehrer ist!", stimmte er laut zu und rückte etwas näher an John heran, als es laut donnerte. „Aber. . . er wollte mir kein Eis kaufen. Und deswegen bin ich weggelaufen", fügte er kleinlaut hinzu, was John belustigt die Augenbrauen heben lies. Das klang doch schon eher wie einen gewöhnliche Nachmittagsgeschichte.

„Und wo hast du deinen Lehrer stehen lassen?", wollte er wissen, woraufhin Hel auf wahllos in eine Richtung deutete.
„Da. Und jetzt ist er einfach weg!", meinte der Junge zitternd vor Kälte und schluchzte auf. „Was, wenn er nicht mehr zurückkommt und mich für immer alleine lässt?"
„Wenn er ein guter Lehrer ist, kommt er bestimmt zurück", versuchte John, seinen Begleiter zu beruhigen, und hielt ihm dann die Hand hin. „Erzähl mir doch ein bisschen von ihm, während wir ihn suchen."
Nickend nahm Hel seine Hand und lächelte dann vorsichtig. „Danke, werter Herr", flüsterte er, was John schmunzeln lies. Für seine etwas brutale Verkleidung war er wirklich niedlich.

„Also, mein Meister ist toll! Er passt immer auf mich auf und bringt mir alles bei, was ich wissen muss, obwohl ich so unfähig bin. Viele sagen, das er der Beste im ganzen Totenreich ist, und das finde ich auch! Bei ihm kriegen die armen Seelen nicht mal Panik, sondern gehen ganz glücklich und erleichtert mit ihm!", schwärmte Hel stolz und blickte verträumt in die Ferne. „Irgendwann will ich aus so wie mein Meister werden."
Hatte dieses Kind gerade wirklich Totenreich gesagt? War das ein Gymnasium oder eine Grundschule mit einem komischen Namen? Wer zur Hölle war dieses schwarz angezogenen, rotäugige, eine Sense mit sich herumschleppende, Kind ?!

„Hel. . . Ich hab dir gesagt, das du nicht mit anderen Menschen reden sollst." John blieb wie erstarrt stehen, als sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte. „Jetzt muss ich diese arme Seele leider auch noch mitnehmen", flüsterte jemand in sein Ohr.
Er wollte weglaufen, dieser Präsenz entfliehen, irgendwas tun – aber es ging nicht. Doch dann verschwand dieses bedrückende Gefühl von Tod, von Schmerzen und Trauer, plötzlich und er stolperte nach vorne.

„Thani, du sollst keine Leute erschrecken!", beschwerte Hel sich lautstark und zog die zweite Gestalt energisch zurück. „Das ist gemein! Und außerdem hat John mir geholfen!"
„Und du sollst mich nicht so nennen", grummelte der Größere der Beiden und richtete seine rot glühenden Augen auf John. Für einen Moment, nur für einen Moment, erschien es dem Postboten so, als ob anstatt Haut nur Kochen um den roten Lichtpunkt gebaut wären.
„Wir müssen ihn gar nicht mitnehmen. Du kannst auch einfach seine Erinnerungen löschen", maulte das Kind.

Und da bemerkte John etwas – um diesen Thani herum regnet es nicht. Der Regen flog um ihn herum.„W-Was-", stotterte er, drehte sich um und rannte los. Weg von diesen Wesen, die definitiv keine Menschen waren.
Während Thanatos, wie 'Thani' mit vollem Namen hieß, nur spöttisch lachte, machte Hel ein trauriges Gesicht und winkte dann.  „Tschüss, John!", rief er dem Flüchtenden hinterher und winkte.
Dieser stolperte, fiel und landete mitten in einer Pfütze. Als er sich zitternd umdrehte, sah er gerade noch, wie Thanatos einen roten Kreis in die Luft malte. Hel lächelte. Dann fiel das Bild in sich zusammen und alles wurde rot.

Als John die Augen wieder öffnete, konnte er sich beim besten Willen nicht erklären, wieso er ausgestreckt wie eine Leiche auf dem Boden lag. Kopfschüttelnd stand er auf und betrachte zerknirscht seine Kleidung, die vor Schlamm und Nässe nur so triefte. Wahrscheinlich war sein Kreislauf zusammengebrochen, anders konnte er sich diese Situation nicht erklären.

Kurz bevor er ging, entdeckte er auf einmal etwas. Auf der Bank, neben der er aufgewacht war, lag ein kleiner Sensenmann, wahrscheinlich ein Schlüsselanhänger. Direkt daneben lag ein durchnässter Zettel, auf dem in großen Buchstaben 'Für John' stand. Ungläubig nahm er das Geschenk in die Hand und musterte es von allen Seiten. Keine weiteren Hinweise. Sehr seltsam.

Mit einem Schulterzucken lies er die kleine Figur wieder auf die Bank fallen, spannte seinen Regenschirm auf und machte sich auf den Weg nach Hause. Der Anhänger war sicher nicht für ihn gedacht, wahrscheinlich hatte ein Kind ihn hier vergessen. Einen wirklich komischen Geschmack hatten die Kinder heutzutage. So etwas wie einen Sensenmann gab es doch überhaupt nicht.

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Hel 𝘷𝘰𝘯 -fallen_Queen
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Sonnige Grüße

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