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Kapitel 12

In der ersten Nacht konnte Gwen um Mitternacht nichts anderes tun als eine schnell gekritzelte Nachricht für Rhosyn aus dem Fenster zu werfen.

"Naja", murmelte Gwen vor sich hin und schaute sich die Sachen die auf ihrem Bett verteilt lagen an."Ich werde es sicher morgen Abend hinbekommen."

Es war schwerer sich für so eine Reise vorzubereiten als sie dachte. Zuerst wollte sie Berge von Dingen mitnehmen, von ihren Reitsachen bis hin zu der kleinen Kollektion von Porzellanpuppen die ihrer Mutter gehört hatten, oder das wurde ihr zumindest gesagt.

Als sie sich den ersten Stapel von Dingen anschaute, bemerkte sie bald, dass es nicht besonders vorteilhaft für sie wäre wenn sie all das mitnehmen würde. Sie würde sehr viele Dinge zurücklassen müssen - Dinge, die ihr lieb und teuer waren. Es dauerte einige Stunden bis sie das verstanden und akzeptiert hatte.

Jetzt bestand ihr Gepäck noch aus drei schlichten aber guten Kleidungsstücken, einem Mantel, zwei gewöhnliche Dolchen die sie sich aus der Kaserne der Schlosswache 'ausgeliehen' hatte, einem Reise-Rucksack, einer kleinen Streichholzschachtel, zwei Wasserschläuchen, zwei schweren Decken, einem Geldbeutel mit 29 Silbermünzen, und einer kleinen Holzschachtel die jede Halskette, jedes Armband und jeglichen sonstigen potentiell wertvollen Schmuck den sie besaß enthielt. Als alles ordentlich eingerollt und gepackt war passte alles ohne Probleme in den Reise-Rucksack und es sah so aus als würde dieser noch gut durch ihr Zimmerfenster passen.

Gwen schaute sich in ihrem Schlafzimmer um und sah all die Dinge die sie nicht würde mitnehmen können. Sie wusste dass es schwer sein würde sich von all diesen Dingen zu verabschieden. Von manchen hatte sie nie gedacht dass sie sich davon würde trennen müssen.

Und es sah so aus als würden die Dinge noch komplizierter.

Sie atmete tief und entspannend ein, und schaute ängstlich zu ihrer Schlafzimmertür hinüber.

Heute Nacht musste sie herausfinden wie schwer es sein würde sich in die Studierstube ihres Vaters zu schleichen und seinen Schreibtisch zu durchwühlen. Und das bedeutete... das bedeutete sie würde hinunter schleichen und den Schreibtisch ihres Vaters durchwühlen müssen.

Falls sie erwischt wurde, würde sie vielleicht nicht zu viel Ärger kriegen. Immerhin würde sie nicht versuchen irgendetwas zu stehlen. Zumindest nicht heute Nacht. Sie wollte sich selbst nur vergewissern, dass es wirklich einen Lederbeutel mit roten Schnüren in der Schreibtischschublade ihres Vaters gab. Aber wenn sie ertappt wurde, oder beim Herumlungern entdeckt wurde, würde das definitiv Verdacht erregen und Dinge später noch schwerer machen.

Gwen musste auch noch sicherstellen, das sie an den Beutel herankam - damit sie ihn an sich bringen konnte wenn die Zeit gekommen war. Und wenn alles gut ging könnte es schon morgen Abend soweit sein.

Es hing alles davon ab wie lange sie brauchen würe um herauszufinden was sie alles brauchte, in ihr Zimmer zurückkehren, eine kurze Notiz schreiben und dann ihre Tasche aus dem Fenster zu werfen. All das würde bis morgen um Mitternacht erledigt sein müssen, wenn sie ihre Verabredung mit Rhosyn einhalten wollte.

Was bedeutete das sie nur noch eine Stunde Zeit hatte.

Gwen seufzte. Sie hatte lang genug gewartet.

Sie schnitt eine Grimasse, warf noch einmal einen nervösen Blick um sich und und atmete tief ein. Dann öffnete sie die Tür und wagte sich hinaus.

Fackeln erleuchteten die Wendeltreppe im Turm, aber die Dunkelheit war immer noch dort, zwischen den Flecken aus Helligkeit, und war für Gwen sogar ein wenig beruhigend. Sie bevorzugte es natürlich nicht gesehen zu werden aber sie wusste es wäre unvermeidlich wenn sie das Ende der Stufen erreicht hatte und im Hauptflur angekommen war.

Die Diener denen sie begegnete würden sich vielleicht keine allzu großen Gedanken darüber machen wieso sie mitten in der Nacht die Gänge durchstreifte, da die meisten von ihnen sowieso erst seit ein paar Monaten hier arbeiteten. Dennoch könnte zu viel Tratsch unter den Dienern seinen Weg zu Annifals Ohren finden und ihren ganzen Plan ruinieren. Desto weniger Leute sie traf, desto besser.

Als sie am Ende der Stufen angekommen war spähte sie nach links und rechts in den Gang und trat dann hinein. Ein dunkelgrauer Schal war um ihre Schultern gewickelt um ein großes Stück von ihrem braunen Kleid zu verdecken. Der Steinboden war kalt an ihren nackten Füßen und sie hatte schon eine Gänsehaut, dennoch war der Rest ihres Körpers heiß. Ihr Bauch war ein festes Knäuel aus Sorge und ihre Lungen fühlten sich so an als würden sie nicht genug Luft bekommen.

Anstatt den direkten Weg zur Studierstube ihres Vaters einzuschlagen der durch den Bibliotheksgang führte, entschied Gwen sich für den weniger benutzten Weg in der Nähe des Gartens im Hinterhof, einen Umweg für den sie nicht länger als ein paar Minuten brauchte. Als sie angekommen war schlüpfte sie durch die Hintertür hinaus in den Hinterhof und in die willkommen dunkle Nachtluft.. Gras pikste sie in die Füße als sie auf Zehenspitzen durch den Garten schlich, auf der Suche nach einem Eingang.

Gwen erreichte die Tür und bemerkte auf einmal die Stimmen auf der anderen Seite. Sie duckte sich hinter einen Schatten spendenden Busch und blieb dort so still wie möglich. Ihr Herz pochte laut gegen ihre Rippen.

Zwei Männer, nach allem was sie hören konnte, Angehörige des Küchenpersonals, gingen den Gang entlang, während sie sich über diese und jene Arbeit unterhielten, die Morgen erledigt werden müsste. Gwen hörte zu, während sie sie beobachte, immer auf ein Zeichen bedacht dass sie ihre Gegenwart verraten hätte.

Nachdem sie sie nicht mehr hören konnte, wartete sie noch etwa eine Minute. Dann öffnete sie die Tür einen Spalt breit und spähte hinein.

Niemand war im Gang. So weit, so gut.

Schnell trat sie in den Gang hinein und eilte zur Studierstube ihres Vaters. Ihre Füße machten leise Klatschgeräusche auf dem Steinboden, egal wie leise sie zu sein versuchte. Doch da im Moment niemand zu sehen war, war Geschwindigkeit wichtiger als Geräuschlosigkeit.

Als sie vor der Tür zur Studierstube stand, brauchte sie ein paar Minuten um sich zu fassen und nachzuschauen ob jemand da war der sie gesehen hatte. Ihr Herz klopfte wie ein Vorschlaghammer - halb von dem kleinen Sprint im Gang und halb wegen der verzwickten Situation in der sie sich befand. Die Bücherei gegen den Willen ihres Vaters zu besuchen war eine Sache, aber sich mitten in der Nacht in seine Studierstube zu schleichen etwas ganz anderes.

Als sie sich vergewissert hatte, dass niemand sie gesehen hatte, drehte sie den Türknauf. Als er sich so weit gedreht hatte wie es ging, legte Gwen eine Hand auf die Tür und öffnete sie langsam.

Die Tür machte kein Geräusch als sie aufglitt. Gwen schlich hinein, ihre Augen groß und angsterfüllt. Sie versuchte alles in sich aufzunehmen was sie um sich herum sah.

Zu ihrer Linken hingen lange Reihen von Tierköpfen an der Wand, und darunter hingen verschiedene Bögen und Speere, jeder dem passenden Wild zugeordnet. Zu ihrer Rechten waren ein Kamin, zwei Stühle mit hohen Rückenlehnen, ein kleiner Teppich, ein paar Tische und ein paar Landschaftsbilder, die an der Wand hingen. Der Schreibtisch ihres Vaters befand sich direkt vor ihr, entlang der gegenüberliegenden Wand, neben einem Bücherregal und ein paar anderen Einrichtungsgegenständen aufgestellt, von denen sie nicht wusste was sie waren.

Gwen schloss die Tür trotzdem langsam und leise. Erst als sie ganz zu war atmete sie vor Glück tief aus, und bemerkte dass sie bis eben die Luft angehalten hatte.

Sie zwang sich sich zu beruhigen, ging langsam über den Teppichboden zum Schreibtisch ihres Vaters und kniete sich neben den Stuhl, direkt vor die Schublade die er Anifail gegenüber erwähnt hatte. Sie streckte ihre Hand aus und umschloss den metallenen Griff.

"Wellentänzer", hörte Gwen die laute Stimme ihres Vaters als ob er grade eine Entscheidung getroffen hatte.

Gwen erstarrte, die Hand noch immer um den Griff geschlossen.

"Jetzt mal im ernst?", erwiderte Anifails Stimme, und er schnaubte leicht verächtlich. "Wenn Euch das gefällt, wieso nicht gleich 'Könige der See'... Oder noch besser 'Schwebendes Cliché'?"

"Komm schon, es ist nicht so ein schlechter Name für ein Boot." Ihr Vater lachte und hörte sich ein kleines bisschen betrunken an.

Plötzlich begriff Gwen warum ihre Stimmen so laut klangen, und ihr Atem stockte.

Die beiden waren hier, in der Schreibstube ihres Vaters, zusammen mit ihr.

Anifail und ihr Vater saßen gerade mal 5 Meter von ihr entfernt und beobachteten die Flammen im Kamin.

Sie hätte niemals gedacht, dass sich die beiden zu dieser Zeit noch in der Schreibstube aufhalten würden, und hatte auch nicht daran gedacht, nachzuschauen.

In Panik kroch Gwen unter den Tisch, während sie hoffte, dass dessen Schatten sie gut versteckte. Nachdem sie eine Minute nachgedacht hatte, nahm sie den Stuhl bei den Beinen und zog ihn langsam zu sich hinüber um sich extra Deckung zu verschaffen. Dann rollte sie sich so klein zusammen wie es ging, um vielleicht übersehen zu werden.

Wenn sie entdeckt werden würde... Sie wollte es sich gar nicht ausmalen! Sie wurde schon oft genug geschlagen wenn sie sich in die Bibliothek schlich, aber wenn sie hier erwischt werden würde, in der privaten Studierstube ihres Vaters, wusste Gwen nicht was mit ihr geschehen würde.

Gwen schob sich noch weiter in die Ecke und versuchte so wenig Geräusche zu machen wie möglich. Einge Minutenlang hörte sie keine Stimmen. Zum Glück gab es das Prasseln des Feuers, sonst wäre Gwen wahnsinnig geworden. Mit jeder Sekunde wurde sie nervöser.

"Was habe ich falsch gemacht, Anifail?", fragte Bryn.

"Verzeihung, Majestät?"

"Mit Gwenwyn meine ich. Was soll ich anders machen? Könnte ich etwas anders machen? Sie ist so widerspenstig, und das trotz allem was ich versuche zu arrangieren, trotz allem mit dem ich fertig werden muss. Ist es.... Ich weiß nicht."

Es kam eine lange Pause. Ein bisschen verwirrt verrenkte Gwen ihren Hals und schob ihren Kopf vor um besser zu hören.

"Wirklich, Euer Majestät, Ihr hättet nichts anders machen können. Ihr wart streng, aber gerecht. Sie zu maßregeln war gefährlich für Euch, und trotzdem ist es Euch oft genug gelungen Eure Autorität durchzusetzen. Ich kenne Väter, die sind nicht mal ein Zehntel von dem Mann der Ihr seid, und trotzdem brauchen sie ihre Kinder nur anzuschauen oder einen Finger zu rühren, um ihnen Angst einzujagen. Erinnert Euch daran, ich teile Euren Schmerz – Denkt Ihr, es wäre nicht genauso frustrierend für mich? Jeden Tag dieselbe Leier... Als wäre es eine Art Spiel." Gwen hörte Anifail tief ausatmen und einen Schluck von irgendetwas nehmen. "Sie scheint zu denken, sie könne mit mir reden wie mit einem Diener-"

"Ich weiß, ich weiß, sie hat zu viel von ihrer Mutter in sich, leider", sagte Bryn und machte eine Pause um etwas zu trinken. "Aber du wirst schon deine Chance bekommen es ihr heimzuzahlen, sei beruhigt.“

Das hörte Gwen ganz und gar nicht gern.

Anifail lachte. "Dieser Tag kann für meinen Geschmack nicht früh genug kommen. Trotzdem, nur noch ein paar Wochen... es fühlt sich so an als hätten wir ewig gebraucht um unser Ziel zu erreichen."

"Allerdings," sagte Bryn "es hat war eine Weile gedauert anzukommen, jetzt sind wir aber fast da."

"Lasst uns anstoßen... auf Prince Gavin von Rhegar," sagte Anifail.

"Auf meinen zukünftigen Schwiergersohn. Möge er in Frieden ruhen.“

Gwen hörre das leise Klingen als zwei Gläser sich berührten.

Während der nächsten fünf Minuten gab es keine Unterhaltung. Alles war still bis auf das Prasseln des Feuers. Gwen hockte weiterhin unter dem Tisch, und langsam gingen ihr einige Dinge über die Situation auf in der sie sich befand.

Sie hatte die Tür zur Schreibstube offen gelassen, was bedeutete sie musste den Raum verlassen während Anifail und ihr Vater noch im Raum waren. Wenn die beiden das Zimmer verließen und sahen, dass die Tür offen stand, würden sie noch mehr Verdacht schöpfen.

Zusätzlich dazu musste sie sich noch aus einem anderen Grund beeilen – um rechtzeitig in ihrem Zimmer zu sein und die Tasche mitsamt einer Nachricht aus dem Fenster zu werfen. Und sie konnte das nicht tun ohne im Schrank nachzuschauen ob dort ein Beutel mit chi'darro war – der einzige Grund aus dem sie überhaupt nach hier unten gekommen war.

Sie hockte eng zusammengerollt unter dem Tisch und wartete. Mit jeder Minute die verstrich wurde sie nervöser. Erst langsam ging ihr auf, dass nichts geschehen würde bevor sie nicht etwas unternahm.

Na ja, da war die Schublade, direkt vor ihr. Selbst ohne sich aus ihrer Deckung zu begeben könnte sie  die Schublade wahrscheinlich relativ geräuschlos öffnen. Sie würde sie öffnen, nachsehen ob der Lederbeutel darin war den ihr Vater erwähnt hatte, und sie wieder schließen ohne viel Geräusche zu machen.

Gwen streckte ihren Arm nach der Schublade aus, legte ihre Finger um den Griff, und dann, als sie die Schublade gerade öffnen wollte, dachte sie daran, dass es besser wäre zu warten bis Anifail und ihr Vater wieder redeten, sodass das Gespräch irgendwelche Geräusche überdeckten.

Mit der Hand auf dem Griff, bereit die Schublade jederzeit zu öffnen, wartete sie.

Minuten gingen vorbei.

"Sag mal, hast du je von dem Kerl gehört, der die Fahnen für die Galerie machen sollte? Wollten wir nicht-"

Gwens Hand öffnete die Schublade, leise, während sie nur mit halbem Ohr dem zuhörte was ihr Vater sagte. Als die Schublade halb offen war spähte sie schnell hinein.

Ein dunkelbrauner Lederbeutel, mit einer roten Kordel zugebunden, ruhte im Inneren der Schublade auf einigen Papieren und alten Tintenfässern. Er war etwa faustgroß und sah ziemlich voll aus, was hoffentlich bedeutete, dass er genug von dem Kraut enthielt um ihr die Reise zu ermöglichen.

Sie bemerkte, dass ihr Vater noch sprach. Schnell nutzte sie die Gelegenheit, packte den Griff und ließ die Schublade zugleiten. Das Geräusch von Holz auf Holz war gerade eben hörbar. Dann zog sie schnell ihre Hand zurück. Das Gespräch hatte geendet.

Vielleicht hatte einer der beiden ihre Hand gesehen, oder gehört wie sie die Schublade geschlossen hatte! Oder aber sie regte sich grundlos auf. Vielleicht hatte ihr Vater einfach seinen letzten Satz beendet.

In angstvoller Stille saß sie da und wartete mit angehaltenem Atem auf die nächsten laut ausgesprochenen Worte.

"Oh, meint Ihr den Kerl mit dem grünen und gelben Stoff? Oder sprecht Ihr von dem der von außerhalb kommt?", fragte Anifail. Gwen hörte wie sich sein Stuhl bewegte, und konnte auch das leise Rascheln von Papier hören. "Ich denke, dass es offensichtlich ist, dass wir besser den Einheimischen wählen sollten."

Sie erlaubte sich leise einzuatmen. Erleichterung erfüllte sie.

"Stimmt, wir können ihn später immerhin besteuern... das ist fast als bekäme man einen Rabatt", stimmte Bryn zu. "Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob mir das Stoffmuster von diesem Kerl wirklich gefallen hat. Was wäre, wenn wir-“

Gwen dachte nicht einmal darüber nach – als ihr Vater wieder zu sprechen anfing wusste sie einfach, dass der richtige Moment gekommen war. Ganz langsam schob sie den Stuhl von sich weg, und krabbelte dann auf allen Vieren darum herum. Ihre Ohren waren immer wachsam, bedacht auf jedes Geräusch das sie verraten könnte. Dann kam sie langsam auf die Füße. Vornüber gebeugt huschte sie unter dem Tisch heraus, vorbei an den beiden Lehnstühlen neben dem Kamin, hin zur Tür der Studierstube. Sie sah die Hand ihres Vaters, wie sie lässig auf einer Armlehne lag. Er hielt ein Glas voller Brandy in der Hand und schwenkte es hin und her während er sprach.

Sie war zwei Fuß von der Tür als er aufhörte zu sprechen, und die plötzliche Abwesenheit jeglicher Geräusche veranlasste sie zur Salzsäule zu erstarren. Ihr einer Fuß hing mitten in der Luft.

Ihre Augen waren noch auf die zwei Stühle vor dem Kamin gerichtet. Sie konnte weder Anifail noch den König sehen. Die Hand ihres Vaters lag immer noch auf der Armlehne, und noch immer schwenkte er den Brandy hin und her, lässig, als hätte er nicht eine Sorge auf dieser Welt.

„Ich nehme mal an, das würde funktionieren“, antwortete Anifail schließlich. Noch mehr Geraschel von Papier. „Allerdings würde ich es bevorzugen, wenn-“

Gwen nahm zwei weitere Schritter, ergriff den Türknauf vor ihr, und öffente so langsam und vorischtig wie sie kontte die Tür, bis diese etwa einen Fuß weit offenstand. Dann, ihren Atem anhaltend, glitte sie in den Gang hinaus und schloss die Tür hinter sich, alles in einer vorsichtigen, flüssigen Bewegung.

Sie hörte ein leises Klicken als die Tür ins Schloss fiel.

Schnell blickte sie den Gang auf und ab, und, als sie niemand sah, gab sie einen tiefen Seufzer der Erleichterung von sich. Sie rannte den Gang hinunter, während ihr Herz wie wild schlug, und stolperte hinaus in den Garten, ein aufgeregtes Lächeln auf ihrem Gesicht. Bald lief sie durch die Dunkelheit. Grashalme pieksten sie wieder zwischen den Zehen, und sie fühlte sich gleichzeitig unheimlich aufgeregt und von einer tiefen Ruhe erfüllt.

Sie hatte es geschafft! Sie hatte sich in die Studierstube geschlichen! Und das, während ihr Vater und Anifail noch darin saßen. Wenn sie das geschafft hatte, so müsste doch der tatsächliche Diebstahl des Beutels ein Kinderspiel werden.

Morgen. Sie würde es morgen tun, vielleicht eine Stunde nach Mitternacht.

Was bedeutete, dass sie heute Nacht in ihr Zimmer zurückkehren und alles notwendige aus dem Fenster schmuggeln musste, damit Rhosyn bereit sein würde. Sie würde auch eine kurze Notiz schreiben, damit Rhosyn genau wissen würde wann sie aufbrechen würden, und genug Zeit haben würde um die Pferde zu satteln und zu bepacken. Sobald sie den Beutel gestohlen und das Schloss verlassen hatte wollte sie so weit von hier weg wie nur möglich, und das so schnell es nur ging.

Sobald Gwen wieder in einem Bereich des Palastes war den sie besser kannte, trieb sie einen Krug auf und füllte ihn mit Wasser. So, überlegte sie, hatte sie eine Erklärung bereit warum sie nicht im Bett war, sollte ihr auf dem Rückweg jemand begegnen. Jetzt da sie darüber nachdachte – der Wasserkrug würde auch bei ihrem morgigen nächtlichen Ausflug nützlich sein. Es würde einfach so aussehen, als ob sie mitten in der Nacht Durst bekommen hätte, und hinuntergekommen war um sich etwas zu trinken zu holen. Sie würde ihn mitnehmen wenn sie morgen Nacht aus ihrem Schlafgemach hinunterkam, und dann würde sie einfach nie mehr zurückkehren.

Allein der Gedanke daran erfüllte sie mit so viel Freude, dass sie vor Glück hätte weinen können.

Mit ihrem Wasserkrug in der Hand flog Gwen praktisch die Stufen der Wendeltreppe ihres Turms hinauf, platzte in ihr Zimmer, warf die Tür hinter sich zu... und vollführte einen kleinen kurzen Freudentanz, einfach so, weil ihr gerade danach war. Ihr Herz klopfte immer noch wie wild von der ganzen Aufregung, und es fühlte sich so an als ob das Grinsen auf ihrem Gesicht nie verschwinden würde.

Ihr Blick fiel auf das Bündel das auf dem Bett lag. Wie viel Uhr war es denn genau, im Augenblick? Es musste doch inzwischen fast Mitternacht sein. Vielleicht sogar nach Mitternacht. Während ihrer atemlosen Wartezeit unter dem Schreibtisch ihres Vaters hatte sie ihr Zeitgefühl vollkommen verloren.

Gwen eilte zu ihrem Schreibtisch hinüber und fischte Feder und Tinte aus ihrer Box mit Schreibutensilien. Sie riss ein Blatt aus dem Buch in dem sie Schreiben übte, tauchte die Feder in die Tinte und kritzelte eine hastige Notiz.

Alles ist bereit. Morgen, eine Stunde nach Mitternacht. Wir treffen uns bei den Ställen.

-G.

Eilig presste sie ein Löschblatt auf die Tinte, und pustete dann auf das Pergament. Im Stillen flehte sie es an, schneller zu trocknen. Als sie sich sicher war, dass die Schrift nicht verlaufen würde, faltete sie es in der Mitte, kletterte ins Bett, und schob es in ihren Reiserucksack, auf all die anderen Sachen die sie schon gepackt hatte.

Mit dem Bündel in der Hand ging sie zum Fenster und lehnte sich hinaus, auf der Suche nach irgendeinem Zeichen von Rhosyn. Der Mond schien, und sie konnte das Wasser im Burggraben dort glitzern sehen wo es dessen Licht reflektierte, aber genau unter ihr, dort wo nur Gras wuchs, sah sie nichts.

War Rhosyn überhaupt dort unten?

Gwen zögerte einen Augenblick. Dann zuckte sie mit den Schultern, hievte das Bündel auf das Fensterbrett und schubste es aus dem Fenster. Dann lehnte sie sich wieder hinaus um zu sehen ob sie einen Blick darauf erhaschen konnte während es fiel.

Das Bündel war in hellem beige gehalten, was es zum Glück im Mondlicht leichter sichtbar machte. Stumm beobactete sie wie es von ihr fort fiel, hinein in die Dunkelheit. Einen Augenblick später hörte sie den dumpfen Aufschlag, als das Bündel im weichen Gras landete.

Gwen musste nicht lange in die Dunkelheit starrten bevor sie entdeckte worauf sie gewartet hatte: Eine Gestalt in einem ihr sehr wohl bekannten, hellen Umhang trat aus dem Schatten der Mauer und eilte dorthin wo das Bündel lag. Einen Moment später waren die vermummte Gestalt und das Bündel verschwunden.

Morgen. Morgen würde es also wirklich passieren.

Sie rannte im Dauerlauf zu ihrem Bett, sprang hinein, löschte ihre Lampe, schloss fest ihre Augen und zog sich die Decke über den Kopf. Mit einem Mal gab es nichts auf der Welt das sich Gwen so sehr wünschte, wie dass der morgige Tag sich beeilen und endlich kommen würde.

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Schon gespannt was als nächstes kommt? ;) Kann sein, dass das nächste Kapitel etwas länger dauert weil ich ein paar Arzttermine vor mir habe, aber ich werde mir Mühe geben nicht allzu lange zu brauchen :)

LG

Robert

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