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11. 𝘑𝘶𝘭𝘪
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Es regnete leicht, als Noël am nächsten Tag seinen Weg fortsetzte. Jedoch lugte auch die Sonne durch die dunkle Wolkenwand hervor, sodass die Regentropfen lila schimmerten. Verblüfft über dieses Phänomen schüttelte Noel mit dem Kopf und blieb auf einmal stehen, als er zwei Personen erblickte, welche klitschnass mitten auf der Wiese zu seiner rechten standen. Wer stellte sich früh morgens im Regen ohne Schirm auf eine Wiese?
„Der Park ist wie leergefegt, Prince und es regnet", beschwerte sie sich genervt bei ihrem Begleiter. „Ich weiß wirklich nicht, wie mir dies bei meiner Schreibblockade helfen soll. Außerdem ist es arschkalt."
Mit vorwurfsvoller Miene streckte der Angesprochene ihr die Hand entgegen, welche sofort Protest einlegte.
„Arschkalt ist kein Schimpfwort, Prince. Ich habe niemanden damit beleidigt."
„Du hast das Wetter beleidigt, Lia", entgegnete Prince.
Sie sah ihm an, dass er sich langsam zwingen musste ruhig zu bleiben. Seufzend drückte sie ihm zwei Dollar in die Hand.
„Ich brauche nur ei..."
„Halt die Klappe, Arsch."
„Vergiss es." Prince ließ die zwei Dollar in der Innentasche seines roten Jackets verschwinden, während Lia sich auf der Wiese nieder ließ. Sie war eh schon vollkommen nass, da kam es auf einen nassen Hintern nun auch nicht mehr an. Niedergeschlagen begann sie einzelne Grashalme rauszurupfen und feinsäuberlich neben ihr zu stapeln. Sie wartete eigentlich nur darauf, dass Prince irgendeinen dummen Kommentar über diese Beschäftigung fallen ließ, aber es kam nichts.
Stattdessen setzte sich der kleine Afroamerikaner ebenfalls auf die Wiese, weshalb Lia verwundert aufblickte. Normalerweise setzte er sich nie ohne eine Decke auf die Wiese. Sein perfektes Aussehen war ihm heilig, besonders wenn er seine Bühnenoutfits trug. „Du ruinierst dir dein Bühnenoutfit", merkte sie deshalb nach wie vor verwundert über diese Szenarie. „Außerdem hättest du dein Konzert nicht weg einer Schreibblockade meinerseits abbrechen müssen."
„Deine Mutter hat mir mal erzählt, dass man zu dir rennen muss, wenn du eine Schreibblockade hast. Sie kann nicht mehr rennen, ich schon. Außerdem war das Publikum heute echt nicht wo funky wie sonst. Ich wollte sowieso keine Zugabe spielen, also ist es in Ordnung."
Es war nicht in Ordnung. Dies wusste Lia so sicher wie das Amen in der Kirche. Für Prince gab es nichts schöneres als seine Musik mit den Menschen zu teilen. Er hätte die Zugabe mit seiner Akkustikgitarre gerockt. Seine Fans hätten ihm zu gejubelt und mit ihm eine riesige Party geschmissen. Genau dies waren seine Konzerte, eine riesige Party und er liebte es.
„Es ist keine Schreibblockade", entschied Lia sich dann niedergeschlagen für die Wahrheit. "Mom will nach Deutschland ziehen und mich mitnehmen. Sie denkt, dass Dad einen schlechten Einfluss auf mich hat, weil er mich ständig mit zu dir nimmt. Du kennst Mom, sie ist schon ausgeflippt als ich bei 4Dance anfangen wollte zu tanzen. Mittlerweile kriege ich dort jede Solonummer. Sie denkt, dass du mir nicht gut tust, weil du mich gemeinsam mit Dad unterstützt. Also versucht Mom mir nun auf ziemlich penetrante Art Deutschland schmackhaft zu machen."
„Und? Ist Deutschland für dich schmackhaft, Lia?"
Angewidert schüttelte sie den Kopf. „Jesus, ich bitte dich, Prince. Deutschland würde die Hölle auf Erden für mich werden. Mein Leben ist hier, genauso wie Dad und du. Ich will weder Dad noch dich verlieren, nur weil Mom mal wieder eine ihrer Ich-interessiere-mich-für-meine-Tochter-Phase. Gott, warum hat Dad das Sorgerecht damals auch Mom überlassen."
Prince blickte sie erst missbilligenden an, aber merkte dann wie sehr sie dieses banale Thema bedrückt. „Okay...", seufzte er einmal schwer. „Erstens halte Gott und Jesus aus deiner Krise heraus. Zweitens, dass deine Mutter manchmal etwas schräg drauf ist, wissen wir beide. Und drittens, wenn du nicht nach Deutschland willst, helfe ich dir hier bleiben zu können."
Ihr Gesicht erhellte sich freudig. „Wirklich?"
Prince nickte einmal. „Wirklich. Ich habe die nötigen Anwälte, das nötige Geld und alles andere, um dein Sorgerecht zu Not einzuklagen. Vorausgesetzt dein Vater ist damit einverstanden, was ich denke kein Problem darstellen sollte, er übernimmt jetzt schon die meiste Zeit deiner Betreuung. Also wir können kämpfen und du kannst bei 4Dance weiterhin die Hüften schwingen wie kein anderer."
Vor Freude lachend schmiss sie sich um den Hals ihres Gegenübers, sodass beide ins nasse Gras purzelte. Lächelnd schüttelte Noël über diese leicht schräge, aber dennoch schöne Szenarie den Kopf und machte sich dann auf den weiteren Weg.
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Gespräch im Regen 𝘷𝘰𝘯 Purple-Nightflower
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Sonnige Grüße
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